Aufraffen, ein Lebenszeichen geben

Was habe ich nicht für nette Follower. In regelmäßigen Abständen schreibt ihr mich an, fragt ob es mir gut geht und wann ich mal wieder einen Blogbeitrag schreibe.

Na dann gebe ich mal wieder ein Lebenszeichen von mir. 🙂

Was ist seit Oktober passiert…
– Ich habe meine 3. Survivor-Party veranstaltet
– Ich habe meinen neuen Job angefangen
– Ich habe meine erste Mitgliederversammlung für meinen ehrenamtlichen Verein abgehalten
– Ich hatte eine weitere Mammographie (alles ok)
– Ich war beim Konzert von Korn und von System of a Down
– Ich habe meine Probezeit bestanden
– Ich achte weiterhin auf meine Ernährung und treibe Sport
– Ich nehme weiterhin nicht wirklich ab…
– Ich habe diverse Probleme mit meinen Nebenwirkungen
– Und ich brauche dringend Urlaub

wem das langt, der kann hier aufhören zu lesen. 🙂

Ach na gut, dann erzähle ich genaueres.
Beim letzten Beitrag habe ich ja von den psychischen Belastungen erzählt, weshalb ich auch den Job gewechselt habe. Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Klar ist es auch im neuen Job (zumal ich in derselben Branche geblieben bin) auch nicht alles supereasy, aber ich habe zumindest das Gefühl, dass ich mich ein wenig neu erfinden kann. Ich kann auch mal nein sagen (auch wenn es alles andere als einfach für unseren Schlag Mensch ist), ich muss nicht jede Sonderaufgabe direkt übernehmen, ich brauche nicht den höchsten Verantwortungsstapel. Es gibt echt wichtigeres. Ich übernehme gerne Verantwortung und alles was ich von 9:00 – 18:00 Uhr schaffe, mache ich. Danach habe ich Feierabend. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, vor allem, wenn man eine 5-wöchige Urlaubsvertretung für eine Kollegin macht… aber das ist dann wirklich nur die Ausnahme. Es ist jetzt nicht der Job, den ich bis an mein Lebensende machen möchte, aber zur Zeit fühle ich mich dort wohl und denke, dass ich auch das eine oder andere bewegen kann.

Job, also vorerst abgehakt.

Nicht ganz so schön ist momentan das Thema Nebenwirkungen.
Seit einigen Wochen machen mir diverse Dinge ordnetlich zu schaffen.
Am Anfang habe ich gedacht, dass ich durch die ganzen Veränderungen so kaputt bin.
Aber es ist eine Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit, die ich gar nicht so richtig erklären kann. Es nerven mich unheimlich viele Dinge, auch viele Kleinigkeiten.
Es nervt mich tierisch, dass ich bei jeder sportlichen Betätigung merke, dass es nicht so ist, wie es war. Es nervt mich, dass ich nicht abnehme, auch wenn ich kcal zähle (Tamoxifen verlangsamt den Stoffwechsel), es nervt mich, dass meine Muskeln und Gelenke momentan so schmerzen. Es nervt mich, dass ich jeden Tag diese verdammten Antihormone nehmen muss.  Es nervt mich, dass ich Brustkrebs hatte und ich dadurch erst diese ganzen verdammten Einschränkungen habe.  Und es nervt mich, dass mich alles nervt….

Kennt ihr das, wenn ihr hofft, dass Euch niemand fragt, wie es Euch geht?
Die meisten Menschen fragen das doch nur aus Nettigkeit und erwarten ein „Ja klar, alles bestens!“. Aber wenn dem nicht so ist, hängt plötzlich eine ganz merkwürdige Befangenheit im Raum und das Thema wird relativ schnell gewechselt (Auch hier gibt es natürlich besagte Ausnahmen). Ich selbst will nichtmal sagen, dass es mir momentan nicht so gut geht, weil ich überhaupt keinen Bock auf irgendwelche „Das wird schon“, „Sieh es positiv“, Du Lebst, dass ist die Hauptsache“, „Alles andere ist egal“, „Das schaffen wir schon“, „Akzeptiere Dich, wie Du bist“, „Scheiß auf die paar kilos mehr“ habe. Klingt fies, ich weiß. Davon abgesehen, hasse ich es zuzugeben, dass mit mir etwas nicht stimmt, was mich wieder zu den Dingen bringt, die mich nerven… ein Teufelskreis.

Ich glaube, dass ich momentan in demkleinen Tief stecke, was jeder zur Diagnose erwartet hat. Zu dem Zeitpunkt war ich aber tatsächlich froh, dass ich Lebe und hatte mit der Behandlung ständig etwas um die Ohren, was mich abgelenkt hat. Und jetzt im Alltag werden einem die ganzen Nebenwirkungen erst wieder richtig bewusst. Hinzu kommt, dass ich das Gefühl habe, all meine Kraft darauf zu verwenden zu funktionieren. Ich muss mich regelrecht aufraffen um sämtliche Dinge zu bewältigen und könnte bei jeder Kleinigkeit ausrasten, obwohl es gar keinen Grund gibt. Alles ist mir zuviel, ich will nicht „gezwungen“ werden, irgendetwas machen zu müssen und da zählen solch banale sachen wie „vom Sofa aufstehen um ins Bett zu gehen“ zu. Ich habe schlichtweg einfach keine Energie.

…klingt voll schlimm, wenn ich das selbst so lese… und würde mir am liebsten eine Ohrfeige verpassen und mich anschreien, dass ich mich zusammenreißen soll, denn immerhin geht es mir ja generell gut… hab aber kein Bock 😉

Nachdem es also ein paar Wochen schon so ist, habe ich mich auch mit „Mitstreiterinnen“ unterhalten. Und demnach wären die Antihormone schuld. Einige Mädels haben nach 3 – 3,5 Jahren die Antihormone abgesetzt, weil die Depressionen zu schlimm wurden… kann ja nicht sein, denn jeder Arzt erzählt einem, dass man Nebenwirkungen von den Antihormonen entweder von Anfang an hat oder gar nicht… richtig? oder nicht? Was geht also gerade in mir vor? Richtig. Die Abwägung, ob ich die Antihormone weiterhin nehmen soll oder ob ich mich zusätzlich auf ein verträgliches Antidepressiva einstellen lassen soll. Auch da gehen die Meinungen der Ärzte in sämtliche Richtungen. Je nachdem, wen man fragt. Aber vielleicht ist es auch grad nur eine Phase und es wird wieder besser… oder auch nicht… oder ich setzte die Tabletten ab und mache mir einfach keinen Kopf um einen möglichen Rückfall… oder auch nicht… oder ich nehme zusätzlich Antidepressiva (Noch eine Tablette mehr)… oder auch nicht. Falls jemand DIE LÖSUNG hat, sagt Bescheid.
Ich weiß grad gar nicht, was ich machen soll. Ich müsste mir irgendeinen Psychotypen suchen (megabocklos) um mich u.U. mit einer Tablette mehr zu geißeln oder ich lasse es und versuche es irgendwie selbst… nervt mich total…

Es ist total schwer das nachzufühlen, wenn man es selbst nicht kennt. Ich weiß wovon ich rede. Wenn jemand im Stillen gedacht hat „was stellt die/der sich so an, ist doch alles halb so wild“… dann war ich das… und nun bekomme ich es am eigenen Leib zu spüren. Das braucht echt kein Mensch.

Aber ich will natürlich nicht nur Trübsal blasen. Heute in 2 Wochen werde ich mir das erste Mal in meinem Leben Wacken antun (Hey, man lebt nur einmal) und ich freue mich drauf… auch wenn ich echt aus dem ich-campe-ein-paar-tage-ohne-vernünftige-sanitäre-anlagen-alter raus bin.

Überhaupt habe ich in den letzten Monaten so viel Geld wie noch nie für Konzerte & Festivals ausgegeben. Das „Man lebt nur einmal“ brennt sich mehr und mehr ein und das finde ich auch gut so.

Ich habe noch einige Hürden vor mir, aber die schaffe ich schon irgendwie… und wenn ich mir ein Trampolin davor stelle… oder mich rüberwerfen lasse….von Hulk… ja ok, ich höre schon auf. Mit meinen 1,68 m und momentan 72kg bin ich ja toal im grünen Bereich… Hulk… Sport… ich muss los…  🙂

Ich werde Euch auf dem Laufenden halten und versuchen, nicht wieder so viel Zeit zwischen den Blogbeiträgen vergehen zu lassen.

Lasst Euch nicht unterkriegen und genießt jeden Tag!

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Liegt es an mir oder an mir?

4 Monate ist der letzte Blogbeitrag schon her? FRECHHEIT!
Aber das liegt wohl an mir. 🙂

Eigentlich finde ich es recht positiv, wenn man als (ehemalige) Brustkrebspatientin nicht mehr jede Woche etwas Neues zu berichten hat. Ab und an ein Lebenszeichen sollte ausreichen, damit die Umwelt beruhigt ist und weiß, dass alles in Ordnung ist. 😉

Aber ich hatte in den letzten Monaten tatsächlich einfach keine Zeit für einen Blogbeitrag und das ist doch Grund genug, sich nun die Zeit zu nehmen um eben diesen zu schreiben. Denn ich kann nicht behaupten, dass in den letzten Monaten nichts passiert ist.

Bei manchen Dingen ist es ja völlig klar, wer für eine bestimmte Situation verantwortlich ist… bei manchen Dingen aber auch nicht…zumindest ist es komischerweise immer allen anderen klar, nur einem selbst nicht. Wovon ich rede? Na, von mir! 😉

Aber fangen wir von vorn an. Eigentlich müsste ich ab der Wiedereingliederung Mitte 2014 anfangen, aber das ist dann doch zu weit von vorn. Mir geht es nur kurz darum zu erwähnen (was ich bestimmt in diversen vorherigen Blogbeiträgen auch getan habe), dass mit der Chemo ein gewisser Konzentrations- und Erinnerungsmangel bei mir einhergegangen ist. Das hat kaum einer mitbekommen, weil ich doch noch immer unfassbar gut bin (Eigenlob stinkt, ich weiß 😉 ), aber man selbst merkt Veränderungen doch und ich habe mich schon diverse Male darüber geärgert, dass ich plötzlich Dinge vergessen habe, die ich mir sonst mit Leichtigkeit gemerkt habe. Vielleicht ist es auch normal mit jedem Jahr, welches man älter wird, aber es passt zeitlich halt zum Behandlungsverlauf.

Auf jeden Fall habe ich in den letzten zwei Jahren doch vermehrt festgestellt, dass ich einfach nicht mehr die Alte bin. Und das hat sich ganz deutlich Anfang des Jahres gezeigt.
Kurz vor meiner Reha im März diesen Jahres wollte ich mich eigentlich nur kurz bei meinem Vorgesetzten über irgendetwas beschweren (das allein ist schon nicht meine Art) und zu meinem Erstaunen (eher Entsetzen) liefen mir direkt die Tränen. Ihr kennt mich. Ich heule nicht!! Und ich konnte es einfach nicht zurückhalten. Was habe ich also als erstes gedacht? Mein Gott, was machen die Hormone mit mir….wieso bin ich so nah am Wasser gebaut…was ist denn das für eine Phase…irgendwas stimmt nicht mit mir…

Dann kam zum Glück die Reha und ich hatte 4 Wochen Zeit, um mich zu sammeln und viele Gespräche zu führen. Danach war ich wieder gestärkt und fühlte mich deutlich besser. Auch in der Firma war soweit wieder alles ok…dachte ich.
War es aber nicht. Spätestens als ich abends nach Feierabend im Auto saß und unter Tränen nach Hause gefahren bin, war mir klar, dass mit mir ganz gewaltig etwas nicht stimmt. Wie konnte ich nur so weich werden? Was hat die Chemo mit mir gemacht?…Ja die Chemo ist im Zweifel an allem Schuld, ist ja klar…
Kurz vor unserem Urlaub war ich dann wieder an dem Punkt, an dem ich Anfang des Jahres auch schon gewesen bin und habe mich krankschreiben lassen. Im Anschluss sind wir zwei Wochen im Urlaub gewesen (HERRLICH) und ich dachte, dass ich mich nun wirklich wieder im Griff habe. Denn ich habe es doch in der Hand, ich muss an mir arbeiten, ich muss wieder stärker werden!

Falsch gedacht. Das einzige, was ich tun muss, ist: Die Dinge ändern, die mich so werden lassen! Was habe ich also getan? Richtig…meinen Job gekündigt. Man kann sich oft einreden, dass man aktuell vielleicht etwas dünnhäutiger ist, oder dass man gerade einen schlechten Tag hat, oder dass bestimmt die Chemo oder ein anderes Medikament gerade dafür verantwortlich ist, aber wenn wir ehrlich sind, sind das doch nur Ausreden. Manchmal oder sogar öfter ist man nicht selbst Schuld, zumindest nicht an bestimmten Situationen. Aber man ist selbst Schuld, wenn man sie nicht ändert!

Leichter gesagt als getan, dass weiß ich. Ist ja schließlich unbequem, sich an etwas neues zu gewöhnen und neue Wege zu gehen. Wir sind nun mal Gewohnheitstiere, was bestimmt seine Vorteile hat. Aber manchmal eben auch nicht.

Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber ich habe nur ein Leben. Und ich habe mir vorgenommen, nur noch das zu machen, was mir gut tut (mal abgesehen von den ungeliebten, nervtötenden Dingen im Alltag, die sich nicht vermeiden lassen 😉 ).

Übrigens war ich gestern wieder zur Mammographie (auch einer der nervtötenden Dinge). Alles im grünen Bereich!
Und ich hatte gestern meine erste Thaichi-Stunde. Ist mal was anderes als Yoga und autogenes Training. Ich bin gespannt und momentan einigermaßen entspannt.

Beim Thaichi habe ich ein Zitat an der Pinnwand entdeckt, was ich Euch noch kurz mitgeben will:

Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.
Gustav Heinemann

In diesem Sinne. Ein entspanntes Wochenende!!

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Herstellerwechsel & Nebenwirkungen & Waage

Nun sind es fast 4 Wochen seit des erneuten Herstellerwechsels vom Tamoxifen.

Und ihr glaubt ja gar nicht, wie froh ich bin!!!
Erst sind die Schmerzen beim normalen Gehen weniger geworden, dann auch beim Joggen und nach fast 10 Monaten konnte ich am Montag das erste Mal wieder komplett schmerzfrei Joggen! 4km am Stück ohne auch nur ein leises Ziehen in der Ferse! Das kann nun wirklich kein Zufall sein und bestätigt die Annahme, dass die Nebenwirkungen von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sind.

In der letzten Woche bin ich auch schon wieder insgesamt 25km gelaufen! 😀

Die Nebenwirkungen geben sich also gerade die Klinke in die Hand, denn die einen kommen, die anderen gehen. Habe zwar nun wieder vermehrt mit Hitzewallungen und leichtem Schwindel zu tun, aber das ist ein absoluter Witz gegen die Muskelverhärtungen und damit einhergehenden Schmerzen in der Ferse, die ich fast 10 Monate mit mir herumgeschleppt habe.

Für meine Psyche ist das ein ganz wichtiger Punkt. Ich werde mit dem Wandel der Nebenwirkungen und zunehmendem Sport nicht nur wieder physisch sondern auch psychisch stärker. DAS TUT GUT!

Es geht also wieder bergauf und mit zunehmendem Sport und bravem Kalorienzählen, hat sich letzte Woche auch ENDLICH mal wieder etwas auf der Waage getan…und es zeigt sich auch an den Klamotten…kennt ihr das, wenn man in eine frisch gewaschene (und getrocknete) Jeans reinsteigt und noch zwei-, dreimal hüpfen muss, damit sie sitzt? 😀 Schon cool, wenn man nicht mehr hüpfen muss. 😉

Heute Abend gehe ich das erste Mal seit langem wieder zum Boxtraining und hoffe natürlich ganz stark, dass ich auch dabei meine Ferse nicht merke. Drückt mir die Fäuste! 🙂

Ich werde berichten.

Ach, vielleich ist ein aktuelles Foto auch mal wieder fällig (ich muss dringend zum Frisör):

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Euch eine schöne Restwoche!

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Tamoxifen-News…

…auf die Schnelle mal eine Kurzmitteilung.

Ich habe soeben eine Auflistung aller verordneten Arzneimittel von meiner Krankenkasse bekommen. Und siehe da…zeitlich passt es!

Von März 2014  bis einschl. Juli 2015 habe ich 600 Ratiopharm-Tamoxifen und 100 1APharma-Tamoxifen zu mir genommen. Bis dahin war alles gut.
Im August 2015 habe ich dann mit dem Tamoxifen von AL angefangen und im September ging es mit den Achillessehnen- und Muskelbeschwerden los.

Vielleicht nur Zufall? Ich bin auf jeden fall guter Dinge, dass es da einen Zusammenhang gibt und nehme seit heute wieder die von Ratiopharm!

Ich werde berichten!

Schönes Wochenende!

Kurzmitteilung | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 9 Kommentare

Da bin ich wieder…

…und auch schon wieder im Arbeitsalltag.

Aber: Noch total entspannt, obwohl heute schon Arbeitstag Nummer 3 war. 😀
Ich hoffe, es hält auch noch eine Weile an.

Auf dem iPhone lässt es sich so schlecht einen Blogbeitrag tippen, daher habe ich es während der Reha nicht mehr gemacht. Ist doch schon etwas anderes, wenn man mit 10 Fingern auf einer Tastatur herumfuchteln kann. 😉

Ich habe nun also 4 Wochen Reha hinter mir. Die Verlängerung ist ohne Probleme durchgewunken worden und so konnte ich die Insel in vollen Zügen genießen und seit dem letzten Beitrag hat sich auch noch einiges getan.

Fangen wir bei Tamoxifen und meinen Nebenwirkungen an. Ich bin ganz aufgeregt! 😀
Innerhalb unserer 7er-Truppe haben wir uns auch nochmal über die Tablettchen und deren Nebenwirkungen unterhalten und dann hat mich Kerstin gefragt, ob ich mal den Hersteller gewechselt habe… und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen… JA, HABE ICH!… und wenn ich mich nicht irre, ungefähr zu dem Zeitpunkt, als die Probleme mit Knochenschmerzen und Muskelverhärtung anfingen/schlimmer wurden. Ich habe dann diverse Berichte über diverse Medikamente gehört, bei denen die Nebenwirkungen mit einem Herstellerwechsel in Verbindung standen. WELCH LICHTBLICK!
Ich habe den Hersteller auch gar nicht bewusst gewechselt. Ich hatte von Anfang an Tamoxifen von Ratiopharm. Weil dann aber irgendwann nicht dieses „Es-muss-dieser-Hersteller-sein-Kreuzchen“ auf dem Rezept war (auch „aut idem“ genannt), hat mir die Apothekerin das Tamoxifen von AL (Aliud) gegeben. Gedanken über veränderte Nebenwirkungen habe ich mir nicht gemacht, ist ja schließlich derselbe Wirkstoff….Morgen früh werde ich mir also wieder die von Ratiopharm verschreiben lassen und dann drückt mir die Daumen, dass ich mein Lauftraining wieder wie gewohnt aufnehmen kann (ja, ich werde einige Wochen Geduld einplanen).

Aber ihr könnt Euch vorstellen, dass mich das Thema ETWAS aufgeregt hat.. wieso fragt mich die Chefärztin nicht nach einem Herstellerwechsel, sondern setzt direkt voraus, dass es nicht vom Tam kommen kann? Zumal ich in der letzten Reha-Woche noch einen Medikamentenvortrag hatte, wo auch nochmal darauf hingewiesen wurde, dass man bei starken Nebenwirkungen erst einmal einen anderen Hersteller ausprobieren sollte… naja… vielleicht hatte sie einfach einen schlechten Tag… oder ich habe nicht doll genug über meine Probleme geklagt. 😉

Es timmt mich also positiv, dass ich wieder etwas habe, wo ich ansetzen kann. Nichts ist schlimmer, als nicht zu wissen, was man machen kann.

Das Gerätetraining war auch erfolgreich. Ich habe mich alle 2 Tage in der Muckibude sehen lassen und konnte auch bei allen Geräten kontinuierlich die Gewichte erhöhen..außer bei den Armen…die sind echt hartnäckig. Da werde ich wohl nach wie vor etwas länger benötigen, bis ich die Armkraft wieder aufgebaut habe. Aber sollte der Herstellerwechsel wirklich was bringen, kann ich auch wieder beim Boxtraining einsteigen und spätestens da sollte auf Dauer wieder die Kraft zurückkehren.

Ihr merkt, ich bin hoch motiviert. Sogar so motiviert, dass ich mir ein Anti-Stress-Buch gekauft habe und dies nach und nach durcharbeiten will. Vorgestern habe ich mich bei einem Fitnessstudio angemeldet, was direkt bei uns im Bürogebäude aufmacht, sodass ich das Gerätetraining ganz easy vor der Arbeit oder in der Mittagspause oder direkt nach der Arbeit erledigen kann, ohne noch irgendwo hinfahren zu müssen. Ach ja, und beim Hamburger Stadtrad habe ich mich auch angemeldet und bin gerade auf der Suche nach dem geeigneten P+R-Parkplatz, sodass ich die Hälfte der Arbeitsstrecke mit dem Rad fahren könnte…wenn das Wetter schön ist… und ich einen Parkplatz bekomme… und ein Stadtrad frei ist…ich hasse Fahrrad fahren noch immer… trotz dem pulsgesteuertem Ergometertraining während der Reha… und der einen Woche Radeln mit den Mädels…
Aber egal. Ich muss es ja nicht tun. Nur wenn mir der Sinn danach steht und ich noch ein wenig Bewegung mit einbauen möchte 🙂

In dem Stress-Seminar wurde übrigens ein netter Spruch von
Reinhold Niebuhr († 01.06.1971) zitiert:

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ich habe es jetzt nicht so mit Gott, aber wer immer mir die Gelassenheit geben kann…her damit 😉

Gerade während einer Reha jagt ein kluger Spruch den nächsten und alle wissen ganz genau, warum man gestresst ist und vor allem was man dagegen tun „müsste“… klappt während der Reha auch ganz gut. Man hat gleichgesinnte um sich herum, braucht sich nicht um den Einkauf zu kümmern, man wird bekocht und man hat einen Therapieplan in der Hand, an dem man sich ohne groß nachzudenken entlanghangeln kann.
Und zwischen den Terminen lässt man es sich gut gehen.. schließlich soll man sich entspannen und sich auch mal was gönnen. Wir haben alle (mal wieder) festgestellt, dass man sich wirklich viel zu sehr über Dinge aufregt, an denen man tatsächlich nichts ändern kann. Ich für meinen Teil, werde versuchen an mir zu arbeiten und hoffentlich den Mut aufbringen, Dinge zu ändern.

Ansonsten bleibt mir nur zu sagen, dass mir die Reha eine ganze Menge gebracht hat.
Ich habe tolle Menschen kennengelernt und dank WhatsApp ist es ja auch relativ easy in Kontakt zu bleiben (Vor allem, wenn immer irgendjemand in der Gruppe schreibt, was gerade gegessen wird oder wieviel Sport gemacht wurde 🙂 ).
Mit der Klinik an sich war auch alles ok. Leider war dieses Mal das freiwillige Sportangebot etwas dünn, was aber daran lag, dass diverse Therapeuten im Urlaub waren oder krank oder ganz aufgehört haben. Das Essen war ok bis lecker und wenn erstmal die Zimmer alle nach und nach renoviert wurden, ist das eine deutliche Verbesserung. Klar gab es mal wieder eine Menge Leute, die eine Menge zu meckern hatten, aber die gibt es ja immer. Und wer bei einer Reha-Klinik ein 5*-Hotel erwartet, dem hat die Chemo wohl die eine oder andere Gehirnzelle rausgespült (ja, böse, aber das kann doch mal gesagt werden).

Die nächste Reha bzw. dann Kur (da gibt es Unterschiede), darf ich offiziell in 4 Jahren machen, sofern nichts dazwischen kommt…was natürlich absolut keine Option ist!

Ach ja, noch kurz zum Schluss: Ich hasse Waagen! 🙂 Wenn ich meiner Waage glauben darf, habe ich in den 4 Wochen ganze 400g abgenommen. Eine Körperfettanalyse zum Start und Ende wäre für mich bestimmt motivierender gewesen, aber ich habe zu spät mitbekommen, dass diese in der Reha gemacht wird (aber nur bei etwas kräftigeren Menschen als mich). Wurscht. Ich habe ja an dem Training gemerkt, dass es besser geworden ist und ich meine mir einzubilden, dass dieser unliebsame Arschschwabbel am Oberschenkel-Po-Übergang weniger geworden ist. Das ist doch was 😀 – Bikinfigur im Anmarsch! 😉

Euch allen eine schöne Restwoche und ein traumhaftes Wochenende!
Und immer schön bewegen 😀

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Meine Probleme, Deine Probleme…

Das ist hier oft Gesprächsthema Nummer eins.
Ist natürlich auch klar. Man unterhält sich darüber, warum man hier ist, hält sich vielleicht noch vornehm zurück mit Einzelheiten, aber spätestens nach dem gemeinsamen Saunagang oder bei einem isotonischem Getränkchen wird ausgepackt. Eigentlich ganz gut. Jeder kann seine Sorgen loswerden, darüber sprechen und man findet eigentlich immer jemanden, der mehr Probleme hat als man selbst. Ist doch super, dass man keinen Grund hat zu meckern, da fühlt man sich doch gleich viel besser….oder…?

Ich sag’s mal so: Nö!

Manchmal gehe ich mir wirklich selbst auf die Nerven. Ist doch eigentlich alles gut. Ich kann mich hier entspannen, viel Sport machen, muss mich nicht ums einkaufen kümmern und habe Leute um mich, die ich mag.
Und dann kommt der erste Vortrag über Stress. Eigentlich weiß man, wann man gestresst ist und erst recht, warum man es ist. Aber das verdrängt man ja auch gerne mal und achtet nicht auf die Symptome des Körpers. Wen man dann allerdings in einem Vortrag sitzt und von den ca. zehn körperlichen Stress-Symptomen 3-5 auf einen selbst zutreffen und die Therapeutin diverse Male betont, wie wichtig es ist, darauf zu hören und zu handeln… wird einem wieder einmal deutlich bewusst, wie kaputt man eigentlich ist. Und während ich das jetzt gerade schreibe, bin ich schon wieder den Tränen nah (nur gut, dass ich auf meinem iPad auf’m Zimmer tippe und nicht in der Caféteria). Anscheinend stecke ich gerade in einem kleinen Tief…

Hat vielleicht auch was damit zu tun, dass meine Muskelverhärtungen, die lt. Orthopäde vom Tamoxifen kommen, nun angeblich doch nichts mit Tamoxifen zu tun haben sollen. Ich habe nun schon seit September letzten Jahres Probleme mit meinen Sehnen/Muskeln. Erst hieß es, Achillessehne sei überanstrengt, also etwas schonen…ok. Es wurde aber nicht besser und der nächste Orthopäde sagte, dass es ganz typische Nebenwirkungen vom Tamoxifen sind und die Muskulatur sich dadurch verhärtet. Ich soll die Muskulatur lockern und mich auf einen langen mühsamen Weg einstellen…nicht schön, aber ok. Beim Arztgespräch letzte Woche sagte mir die Chefärztin dann, dass es nicht vom Tamoxifen kommen kann, weil ich die Antihormone ja schließlich schon seit zwei Jahren nehme und solche Probleme entweder direkt auftauchen oder eben nicht. Ich soll mir, wenn ich wieder in Hamburg bin, einen Rheumatologen suchen und mich untersuchen lassen… Langsam reicht es…

Ja sicher, es gibt schlimmeres, aber das hilft mir nicht!
Ich will/muss Sport machen, um das eine Stück Kuchen, was ich mir dann tatsächlich mal gönne, auch wieder abtrainieren zu können…um nicht künftig das T-Shirt „ich bin zwei Öltanks“ anziehen zu müssen…damit das Spiegelbild stimmt…damit ich mir was gönnen kann, ohne jedes Kalorienchen zu zählen…um keinen Horror vor der Waage zu haben…um den Kopf frei zu bekommen…um mich abreagieren zu können…um mich wohl zu fühlen.

So bin ich also gestern in den Fitnessraum und habe dort fast zwei Stunden verbracht. Und auch hier: Nein, ich habe nicht übertrieben! Nur weil die Mehrheit der Menschheit um mich herum findet, dass schon drei Stunden Sport pro Woche mehr als genug sind, heißt es nicht, dass 0,5-2 Stunden pro Tag zu viel sind. Jeder der mit dem Fahrrad eine halbe Stunde zur Arbeit fährt, macht schon 5-6 Stunden Sport in der Woche.
Ich habe also pulsgesteuertes Ergometertraining gemacht, 30 Minuten bei einem maximalen Puls von 120, danach Gerätetraining an 5 Geräten und dann 30 Minuten auf dem Crosstrainer für 2,5 km.

Heute steht noch einiges an Entspannung an (autogenes Training, Anti-Stress-Seminar Teil 2 und Hydro-Jet-Massage) und morgen werde ich mal gucken, wie es mit dem Joggen klappt…was nicht heißt, dass ich nicht heute wieder das Ergometertraining mache :-). In den letzten Tagen hatte ich immerhin kaum Schmerzen an der Achillessehne. Vielleicht ist das ja ein Ergebnis vom täglichen Radeln nach Puls.

Wir werden sehen. Wäre auf jeden Fall schön, in diesem Jahr wieder Richtung 16km laufen zu können, ohne Schmerzen zu haben. Das wäre ein Stressor weniger für mich. Und die restlichen Stressfaktoren werden definitiv angegangen, bearbeitet und hoffentlich auch gelöst.

Zur Not mit Waffen:

image

😉

Euch eine schöne Restwoche!

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Reha, Sport & Entspannung…

… hat am 18.4.2016 begonnen…

Nun bin ich schon wieder eine Woche auf der schönen Insel Föhr.
Dieselbe Klinik wie vor 2 Jahren zur AHB. Es ist eigentlich ganz praktisch, wenn man sich schon auskennt. Denn dann weiß man schon, wo man was findet, muss sich nicht großartig zurecht finden und die Entspannung kann direkt beginnen.

Es ging auch ganz easy los. Ich bin Montagmittag angekommen, hatte dann schon 2 kurze Termine und Montagabend bin ich zum Begrüßungstreffen gegangen, um die weiteren neu angereisten Gesichter zu sehen. Daraus ist dann auch wieder direkt eine lustige Truppe entstanden und ich konnte den Mädels direkt schon grob das Haus zeigen.

Am Dienstag war dann wiegen angesagt… mit Klamotte, Schuhen, zu einer anderen Zeit und zu einem anderen Tag als sonst und mit Frauenkram…zack 2,3 kg mehr als noch am Freitag vorher *motz*. Aber nun gut. Am Mittwoch haben wir unsere Therapiepläne bekommen und seitdem ist Kalorien verbrennen angesagt!

Mit der Ärztin habe ich meine Reha-Ziele besprochen:
– Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit
– Stressbewältigung

In meinem Therapieplan wird dann nach und nach folgendes auftauchen:
– Aquajogging
– Bogenschießen
– pulsgesteuertem Ergometertraining (total cool, ich will auch so ein Gerät zu Hause haben)
– Gerätetraining
– Tanztherapie (klingt komisch…aber alles was kcal verbrennt, mache ich mit)
– Schwimmen
– Wirbelsäulengymnastik
– Autogenes Training
– diverse Vorträge zur Stressbewältigung, Medikamentenschulung, sportlicher Betätigung etc.
–  Lehrküche (ja, ich bin dank meines Wiegeergebnisses bei einem BMI von 25,5)

Dazu kommen dann noch diverse freiwillige Angebote, für die man sich täglich mit seinen Strichcode-Auklebern einkleben kann.

Volles Programm, so hört es sich zumindest an…. und heute? Mein Plan fängt mit Mittagessen um 12:45 Uhr an… Gehört das zu meinem Entspannungsprogramm? Also für mich ist das alles andere als entspannend. Zum freien Ergometertraining oder zum Gerätetraining kann ich nicht, weil ich da erst ab 13:00 Uhr rein darf. Draußen regnet es, sodass ich gerade keinen Bock auf meine Laufklamotte habe… *schonwiedermotz*.
Dann halt nicht…

Aber um kurz nach zehn werden die freiweilligen Angebote ausgehangen und für heute Abend steht Bauch, Beine, Po und Zirkeltraining dran. Da werde ich dann direkt zwei meiner Aufkleber los. 🙂

Mit dem Essen klappt es hier ganz gut. Zum Frühstück genehmige ich mir Obstsalat mit zwei Esslöffel Joghurt, ein paar Leinsamen und Haferflocken, sowie eingeweichtem Dinkel und ein paar Rosinen. Dazu Cappuchino. Mittags lasse ich das Dessert weg. Abends lasse ich die Kohlenhydrate weg. Wenn also morgen früh auf der Waage nicht deutlich was zu sehen ist… findet ihr mich im Fitnessraum. 😉

Ich fühle mich hier auf jeden Fall wohl. Auch wenn die Zimmer echt alt eingerichtet sind und der Speisesaal noch immer sehr laut. Aber irgendetwas ist ja immer.
Viel wichtiger ist, dass die Leute um einen herum stimmen. Und da kann ich mich nicht beschweren (und das schreibe ich natürlich nicht nur, weil hier evtl. mal jemand drüberliest 😉 ). Im letzten Jahr, als ich im Schwarzwald war, hatten wir ja schon eine lustige Truppe und Yvonne vom letzten Jahr ist am Mittwoch auch hier angereist. Das haben wir gut hinbekommen. 😀

…ich glaube, ich muss doch gleich mal Regenradar checken und gucken, ob es eine regenfreie Stunde gibt, in der ich eine kurze Strecke laufen kann…

Apropos laufen… Letzten Mittwoch habe ich das erste Mal wieder Zirkeltraining mitgemacht… alter falter…7 Stationen á 30 Sekunden. Das Ganze 4 Mal. Ich war total im Eimer…und meine rechte Wade/Kniekehle auch…schön zerstört…NEIN, ICH HABE NICHT ÜBERTRIEBEN… Aber wenn der Trainer vor einem steht und sagt: „Das geht schneller!“…dann geht es auch schneller… *flöt*
Netterweise hat mir Sabine (die Heilpraktikerin unserer Truppe) angeboten, mir eine Honigmassage für meine Wade zu verabreichen. Das war keine Streicheleinheit und war zum Schluss echt hart. Aber total gut! Und mit Voltaren und Arnika hat es meine Wade überlebt und ist für heute Abend wieder Zirkeltrainingtauglich. 😀

Ja, Reha ist schließelich kein Kindergeburtstag!

Nun ist es viertel vor zehn. In einer halben Stunde kann man sich für die freiweilligen Angebote einkleben. Und dann gucke ich mal, ob ich Lust habe, bei dem Wetter rauszugehen. Oder so… oder häkeln…oder faul sein…oder…mal gucken. 🙂

Es ist auf jeden Fall klasse, wieder direkt das Meer vor der Tür zu haben. Das alleine entspannt schon ungemein.

So, dann werde ich mich mal wieder ausklinken.
Drückt mir die Daumen, dass ich meine Verlängerung bekomme.
Bis Mittwoch bekomme ich Bescheid, ob es klappt.

Euch einen guten Start in die Woche!

 

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