Aufraffen, ein Lebenszeichen geben

Was habe ich nicht für nette Follower. In regelmäßigen Abständen schreibt ihr mich an, fragt ob es mir gut geht und wann ich mal wieder einen Blogbeitrag schreibe.

Na dann gebe ich mal wieder ein Lebenszeichen von mir. 🙂

Was ist seit Oktober passiert…
– Ich habe meine 3. Survivor-Party veranstaltet
– Ich habe meinen neuen Job angefangen
– Ich habe meine erste Mitgliederversammlung für meinen ehrenamtlichen Verein abgehalten
– Ich hatte eine weitere Mammographie (alles ok)
– Ich war beim Konzert von Korn und von System of a Down
– Ich habe meine Probezeit bestanden
– Ich achte weiterhin auf meine Ernährung und treibe Sport
– Ich nehme weiterhin nicht wirklich ab…
– Ich habe diverse Probleme mit meinen Nebenwirkungen
– Und ich brauche dringend Urlaub

wem das langt, der kann hier aufhören zu lesen. 🙂

Ach na gut, dann erzähle ich genaueres.
Beim letzten Beitrag habe ich ja von den psychischen Belastungen erzählt, weshalb ich auch den Job gewechselt habe. Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Klar ist es auch im neuen Job (zumal ich in derselben Branche geblieben bin) auch nicht alles supereasy, aber ich habe zumindest das Gefühl, dass ich mich ein wenig neu erfinden kann. Ich kann auch mal nein sagen (auch wenn es alles andere als einfach für unseren Schlag Mensch ist), ich muss nicht jede Sonderaufgabe direkt übernehmen, ich brauche nicht den höchsten Verantwortungsstapel. Es gibt echt wichtigeres. Ich übernehme gerne Verantwortung und alles was ich von 9:00 – 18:00 Uhr schaffe, mache ich. Danach habe ich Feierabend. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, vor allem, wenn man eine 5-wöchige Urlaubsvertretung für eine Kollegin macht… aber das ist dann wirklich nur die Ausnahme. Es ist jetzt nicht der Job, den ich bis an mein Lebensende machen möchte, aber zur Zeit fühle ich mich dort wohl und denke, dass ich auch das eine oder andere bewegen kann.

Job, also vorerst abgehakt.

Nicht ganz so schön ist momentan das Thema Nebenwirkungen.
Seit einigen Wochen machen mir diverse Dinge ordnetlich zu schaffen.
Am Anfang habe ich gedacht, dass ich durch die ganzen Veränderungen so kaputt bin.
Aber es ist eine Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit, die ich gar nicht so richtig erklären kann. Es nerven mich unheimlich viele Dinge, auch viele Kleinigkeiten.
Es nervt mich tierisch, dass ich bei jeder sportlichen Betätigung merke, dass es nicht so ist, wie es war. Es nervt mich, dass ich nicht abnehme, auch wenn ich kcal zähle (Tamoxifen verlangsamt den Stoffwechsel), es nervt mich, dass meine Muskeln und Gelenke momentan so schmerzen. Es nervt mich, dass ich jeden Tag diese verdammten Antihormone nehmen muss.  Es nervt mich, dass ich Brustkrebs hatte und ich dadurch erst diese ganzen verdammten Einschränkungen habe.  Und es nervt mich, dass mich alles nervt….

Kennt ihr das, wenn ihr hofft, dass Euch niemand fragt, wie es Euch geht?
Die meisten Menschen fragen das doch nur aus Nettigkeit und erwarten ein „Ja klar, alles bestens!“. Aber wenn dem nicht so ist, hängt plötzlich eine ganz merkwürdige Befangenheit im Raum und das Thema wird relativ schnell gewechselt (Auch hier gibt es natürlich besagte Ausnahmen). Ich selbst will nichtmal sagen, dass es mir momentan nicht so gut geht, weil ich überhaupt keinen Bock auf irgendwelche „Das wird schon“, „Sieh es positiv“, Du Lebst, dass ist die Hauptsache“, „Alles andere ist egal“, „Das schaffen wir schon“, „Akzeptiere Dich, wie Du bist“, „Scheiß auf die paar kilos mehr“ habe. Klingt fies, ich weiß. Davon abgesehen, hasse ich es zuzugeben, dass mit mir etwas nicht stimmt, was mich wieder zu den Dingen bringt, die mich nerven… ein Teufelskreis.

Ich glaube, dass ich momentan in demkleinen Tief stecke, was jeder zur Diagnose erwartet hat. Zu dem Zeitpunkt war ich aber tatsächlich froh, dass ich Lebe und hatte mit der Behandlung ständig etwas um die Ohren, was mich abgelenkt hat. Und jetzt im Alltag werden einem die ganzen Nebenwirkungen erst wieder richtig bewusst. Hinzu kommt, dass ich das Gefühl habe, all meine Kraft darauf zu verwenden zu funktionieren. Ich muss mich regelrecht aufraffen um sämtliche Dinge zu bewältigen und könnte bei jeder Kleinigkeit ausrasten, obwohl es gar keinen Grund gibt. Alles ist mir zuviel, ich will nicht „gezwungen“ werden, irgendetwas machen zu müssen und da zählen solch banale sachen wie „vom Sofa aufstehen um ins Bett zu gehen“ zu. Ich habe schlichtweg einfach keine Energie.

…klingt voll schlimm, wenn ich das selbst so lese… und würde mir am liebsten eine Ohrfeige verpassen und mich anschreien, dass ich mich zusammenreißen soll, denn immerhin geht es mir ja generell gut… hab aber kein Bock 😉

Nachdem es also ein paar Wochen schon so ist, habe ich mich auch mit „Mitstreiterinnen“ unterhalten. Und demnach wären die Antihormone schuld. Einige Mädels haben nach 3 – 3,5 Jahren die Antihormone abgesetzt, weil die Depressionen zu schlimm wurden… kann ja nicht sein, denn jeder Arzt erzählt einem, dass man Nebenwirkungen von den Antihormonen entweder von Anfang an hat oder gar nicht… richtig? oder nicht? Was geht also gerade in mir vor? Richtig. Die Abwägung, ob ich die Antihormone weiterhin nehmen soll oder ob ich mich zusätzlich auf ein verträgliches Antidepressiva einstellen lassen soll. Auch da gehen die Meinungen der Ärzte in sämtliche Richtungen. Je nachdem, wen man fragt. Aber vielleicht ist es auch grad nur eine Phase und es wird wieder besser… oder auch nicht… oder ich setzte die Tabletten ab und mache mir einfach keinen Kopf um einen möglichen Rückfall… oder auch nicht… oder ich nehme zusätzlich Antidepressiva (Noch eine Tablette mehr)… oder auch nicht. Falls jemand DIE LÖSUNG hat, sagt Bescheid.
Ich weiß grad gar nicht, was ich machen soll. Ich müsste mir irgendeinen Psychotypen suchen (megabocklos) um mich u.U. mit einer Tablette mehr zu geißeln oder ich lasse es und versuche es irgendwie selbst… nervt mich total…

Es ist total schwer das nachzufühlen, wenn man es selbst nicht kennt. Ich weiß wovon ich rede. Wenn jemand im Stillen gedacht hat „was stellt die/der sich so an, ist doch alles halb so wild“… dann war ich das… und nun bekomme ich es am eigenen Leib zu spüren. Das braucht echt kein Mensch.

Aber ich will natürlich nicht nur Trübsal blasen. Heute in 2 Wochen werde ich mir das erste Mal in meinem Leben Wacken antun (Hey, man lebt nur einmal) und ich freue mich drauf… auch wenn ich echt aus dem ich-campe-ein-paar-tage-ohne-vernünftige-sanitäre-anlagen-alter raus bin.

Überhaupt habe ich in den letzten Monaten so viel Geld wie noch nie für Konzerte & Festivals ausgegeben. Das „Man lebt nur einmal“ brennt sich mehr und mehr ein und das finde ich auch gut so.

Ich habe noch einige Hürden vor mir, aber die schaffe ich schon irgendwie… und wenn ich mir ein Trampolin davor stelle… oder mich rüberwerfen lasse….von Hulk… ja ok, ich höre schon auf. Mit meinen 1,68 m und momentan 72kg bin ich ja toal im grünen Bereich… Hulk… Sport… ich muss los…  🙂

Ich werde Euch auf dem Laufenden halten und versuchen, nicht wieder so viel Zeit zwischen den Blogbeiträgen vergehen zu lassen.

Lasst Euch nicht unterkriegen und genießt jeden Tag!

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6 Antworten zu Aufraffen, ein Lebenszeichen geben

  1. Annabelle Kanning schreibt:

    Liebe Melli,
    Ich folge dir noch nicht sooo lange unf normalerweise bin ich einer der stillen Mitleser.
    Aber diesmal hast du mir so sehr aus der Seele gesprochen, ich könnte heulen – endlich ein Mensch der mich verstehen kann.
    15kg zugenommen -sei froh das du lebst,
    Traurig und antriebslos – das wird schon wieder und und und bla bla bla….
    Ich will wieder so sein wie früher…tatkräftog, schwungvoll , sportlich und fröhlich – ich will die alte Leichtigkeit zurück.
    Ich weiß, wir werden es wohl nie wieder zurück bekommen und das neue Leben hat ja auch gute Seiten. …Und ich arbeite dran mich damit zu arrangieren, aber es ist nicht immer wirklich leicht.
    Liebe Melli, ich wünsche dir das du dich weiter erfolgreich durch die ganzen Löcher wurschtelst und deinen weg weiter gehst.
    Ich freue mich auf deinen nächsten Bericht.
    Und…ich habe mir schon Sorgen gemacht aufgrund deiner langem Pause…aber Recht hast du, tue das was du möchtest dann wenn du es möchtest.
    Ganz liebe Grüße
    Annabelle

  2. Gina schreibt:

    Jede hat andere Probleme u Jede verarbeitet die Krankheit anders.
    Gut das nicht so viele von uns Selbstdarstellerinnen sind.

  3. Ingrid schreibt:

    Hallo Melli,
    schön mal wieder etwas von dir zu hören. Drücke dir ganz doll die Daumen dass du alles schaffst, was du dir vorgenommen hast. übrigens: ich bin 168 cm klein und 80 kg schwer: möchte gerne deine 72 kg haben… :=))

    Bin jetzt im 2. Jahre nach meiner Brustkrebs.OP, und kann deine Ausführungen mehr als gut nachvollziehen. Meine Nachwirkungen sind u.a.: Polyneuropathie, welche sich ein wenig verselbstständigt hat, z.B. mit allen Begleiterscheinungen wie ‚Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen,Übelkeit usw., mein Körper vibriert, ich zittere wie bei Parkinson (ist es aber nicht) und meine Ärzte sind ratlos. Die verschriebenen Tabletten sind wirkungslos. .Also betreibe ich momentan Ärztehopping …, demnächst ist der Neurolage „dran“. Zum Psychologen gehe ich nicht,das wäre nichts für mich. Und Antihormone hatte ich von Anfang an abgelehnt, denn die sollte man nur nehmen, wenn die Medikamente wirklich helfen und das kann man nur durch Tests herausfinden, welche man auch noch selbst bezahlen darf.
    Mache man weiterhin alles das, was dir Spaß macht, kümmere dich hauptsächlich um dich, denn das Leben ist so kurz und vielleicht das Buch mal lesen: Der Feind in meinem Körper: Ein Ratgeber für Krebspatienten, Freunde und Angehörige von Wulf Schröder.

    Lass‘ es dir gut gehen!
    Ingrid

  4. Ulrike schreibt:

    Hey Meli,
    das hört sich gar nicht so gut an! Paß mal auf wenn ich nach HH komme stutze ich dich zurecht:)
    Geh doch zu einem Therapeuten besser als Pillen zu schlucken, oder komme mich mal besuchen, meine Tochter ist Psychologin die hat sicherlich ein paar Tipps für dich.
    Unser Advendstreffen fällt sicherlich in die Hose keiner will die Organisation machen. Hast du noch mal was von Stefan gehört???
    So genug an dieser Stelle … koche dir was schönes mit dem Thermomix. LG Ulrike

  5. Simone schreibt:

    Hi Melli!

    Schön, von dir zu hören! Auch wenn es schon Posts gab, die positiver waren. Und ja, die scheiß Tam Nebenwirkungen kenne ich, auch wenn sie mich anders treffen.
    Mir geht es wesentlich besser, seit ich Magnesium und Vitamin D nehme. Mit Tam scheine ich da mehr zu brauchen und beides bringt mir mehr Energie.
    Und: Ich habe meine Arbeitsstunden reduziert. Deine Arbeitszeiten finde ich echt heftig, dass würde ich gar nicht durchstehen. Ich mag meinen Job sehr, aber ich möchte keinen Stress mehr haben.
    Letztlich mache ich fast nur noch Dinge, auf die ich Lust habe. Da finden einige zwar komisch, ist aber so 😉. Ich finde auch vieles komisch.
    Und warum keine Antidepressiva, wenn es einem damit besser geht. Da reicht manchmal auch der Hausarzt.

    Ich freue mich auf weitere Posts von dir!

    LG

    Simone

  6. Nadine Lenth schreibt:

    Hi Melli,
    Ich in durch einen Beitrag in einer Zeitschrift auf deinen Blog gestossen. Ich hab meine Diagnose Brustkrebs im April 2017 erhalten und somit nach der brusterhaltenden OP und anschließenden Bestrahlung und Beginn der Einnahme der Tamoxifen noch am Anfang der 5 Jahre. Deine Beiträge haben mir viel interessantes zu lesen gebracht, weil man als Neuling noch nicht alles weiss.
    Konzentration Schwäche Ken ich. Ich arbeite auch noch nicht wieder. Hab ja gedacht ich bringe alles ganz taff hinter mich und starte dann wieder durch aber das war nix. Ich kann dich so gut verstehen. Nun steht bei mir zusammen mit meinem 10-jahrigen Sohn die Mutter Kind Kur in Grömitz im Oktober an. Ich hoffe das ich dort dann wieder fit gemacht werde um wieder zu arbeiten…
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg beim Abnehmen und Sport machen (ich bin selbst auch solche eine Sport Maus und wenn es nicht so geht wie homan will nervt es echt!!!!😋)
    Ich freue mich auf deinen nächsten Beitrag.

    Liebe Grüsse aus Itzehoe
    Nadine

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