Meine Probleme, Deine Probleme…

Das ist hier oft Gesprächsthema Nummer eins.
Ist natürlich auch klar. Man unterhält sich darüber, warum man hier ist, hält sich vielleicht noch vornehm zurück mit Einzelheiten, aber spätestens nach dem gemeinsamen Saunagang oder bei einem isotonischem Getränkchen wird ausgepackt. Eigentlich ganz gut. Jeder kann seine Sorgen loswerden, darüber sprechen und man findet eigentlich immer jemanden, der mehr Probleme hat als man selbst. Ist doch super, dass man keinen Grund hat zu meckern, da fühlt man sich doch gleich viel besser….oder…?

Ich sag’s mal so: Nö!

Manchmal gehe ich mir wirklich selbst auf die Nerven. Ist doch eigentlich alles gut. Ich kann mich hier entspannen, viel Sport machen, muss mich nicht ums einkaufen kümmern und habe Leute um mich, die ich mag.
Und dann kommt der erste Vortrag über Stress. Eigentlich weiß man, wann man gestresst ist und erst recht, warum man es ist. Aber das verdrängt man ja auch gerne mal und achtet nicht auf die Symptome des Körpers. Wen man dann allerdings in einem Vortrag sitzt und von den ca. zehn körperlichen Stress-Symptomen 3-5 auf einen selbst zutreffen und die Therapeutin diverse Male betont, wie wichtig es ist, darauf zu hören und zu handeln… wird einem wieder einmal deutlich bewusst, wie kaputt man eigentlich ist. Und während ich das jetzt gerade schreibe, bin ich schon wieder den Tränen nah (nur gut, dass ich auf meinem iPad auf’m Zimmer tippe und nicht in der Caféteria). Anscheinend stecke ich gerade in einem kleinen Tief…

Hat vielleicht auch was damit zu tun, dass meine Muskelverhärtungen, die lt. Orthopäde vom Tamoxifen kommen, nun angeblich doch nichts mit Tamoxifen zu tun haben sollen. Ich habe nun schon seit September letzten Jahres Probleme mit meinen Sehnen/Muskeln. Erst hieß es, Achillessehne sei überanstrengt, also etwas schonen…ok. Es wurde aber nicht besser und der nächste Orthopäde sagte, dass es ganz typische Nebenwirkungen vom Tamoxifen sind und die Muskulatur sich dadurch verhärtet. Ich soll die Muskulatur lockern und mich auf einen langen mühsamen Weg einstellen…nicht schön, aber ok. Beim Arztgespräch letzte Woche sagte mir die Chefärztin dann, dass es nicht vom Tamoxifen kommen kann, weil ich die Antihormone ja schließlich schon seit zwei Jahren nehme und solche Probleme entweder direkt auftauchen oder eben nicht. Ich soll mir, wenn ich wieder in Hamburg bin, einen Rheumatologen suchen und mich untersuchen lassen… Langsam reicht es…

Ja sicher, es gibt schlimmeres, aber das hilft mir nicht!
Ich will/muss Sport machen, um das eine Stück Kuchen, was ich mir dann tatsächlich mal gönne, auch wieder abtrainieren zu können…um nicht künftig das T-Shirt „ich bin zwei Öltanks“ anziehen zu müssen…damit das Spiegelbild stimmt…damit ich mir was gönnen kann, ohne jedes Kalorienchen zu zählen…um keinen Horror vor der Waage zu haben…um den Kopf frei zu bekommen…um mich abreagieren zu können…um mich wohl zu fühlen.

So bin ich also gestern in den Fitnessraum und habe dort fast zwei Stunden verbracht. Und auch hier: Nein, ich habe nicht übertrieben! Nur weil die Mehrheit der Menschheit um mich herum findet, dass schon drei Stunden Sport pro Woche mehr als genug sind, heißt es nicht, dass 0,5-2 Stunden pro Tag zu viel sind. Jeder der mit dem Fahrrad eine halbe Stunde zur Arbeit fährt, macht schon 5-6 Stunden Sport in der Woche.
Ich habe also pulsgesteuertes Ergometertraining gemacht, 30 Minuten bei einem maximalen Puls von 120, danach Gerätetraining an 5 Geräten und dann 30 Minuten auf dem Crosstrainer für 2,5 km.

Heute steht noch einiges an Entspannung an (autogenes Training, Anti-Stress-Seminar Teil 2 und Hydro-Jet-Massage) und morgen werde ich mal gucken, wie es mit dem Joggen klappt…was nicht heißt, dass ich nicht heute wieder das Ergometertraining mache :-). In den letzten Tagen hatte ich immerhin kaum Schmerzen an der Achillessehne. Vielleicht ist das ja ein Ergebnis vom täglichen Radeln nach Puls.

Wir werden sehen. Wäre auf jeden Fall schön, in diesem Jahr wieder Richtung 16km laufen zu können, ohne Schmerzen zu haben. Das wäre ein Stressor weniger für mich. Und die restlichen Stressfaktoren werden definitiv angegangen, bearbeitet und hoffentlich auch gelöst.

Zur Not mit Waffen:

image

😉

Euch eine schöne Restwoche!

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2 Antworten zu Meine Probleme, Deine Probleme…

  1. Ingrid schreibt:

    Ich bin jetzt durch mit der Chemo und der Strahlenbehandlung (brusterhaltende OP) und habe mich gegen die Einnahme von Tamoxifen entschieden: u.a. weil Tamoxifen die Bildung und Wirkung von Öströgen behindert (verhindert?). Öströgen hat aber auch eine gute Seite und schützt z.b. vor Herz- und Kreislauferkrankungen, schützt die Knochen; ausserdem liegt bei mir ein HER2-negativer Befund vor. Östrogene besitzen auch allgemeine Wirkungen auf den Stoffwechsel. Sie fördern die Retention von Calcium, Phosphat und Natrium und fördern die Bildung von Knochenmatrix. Und noch etwas: die Nebenwirkungen bei Tamoxifen sind nicht zu unterschätzen: wo bleibt die Lebensqualität, wenn man nicht mehr an Krebs erkrankt, aber ansonsten mit anderen schweren Krankheitsbildern zu kämpfen hat. Es wird z.B. bei der Nichtverträglichkeit von Tamoxifen empfohlen auf Aromatasehemmer umzusteigen…, welche ich wegen meiner anderen „Baustellen“ allerdings auch nicht nehmen werde. Mitte Mai bin ich dann auch in der Reha: Klinik Nordfriesland, St. Peter-Ording…..

  2. Ingrid schreibt:

    Hatte noch etwas vergessen: siehe auch:http://www.ago-online.de/fileadmin/downloads/pdf/2015/AGO_Brustkrebs_2015.pdf =
    Tamoxifen senkt die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens eines DCIS oder
    eines Brustkrebses. Tamoxifen schützt die gesunde Brust vor Brustkrebs und seinen
    Vorstufen. Da die Therapie mit Tamoxifen auch mit Nebenwirkungen verbunden
    ist, sollten immer Vorteile gegenüber möglichen Nachteilen abgewogen werden.
    Ein Überlebensvorteil konnte durch eine Tamoxifentherapie bisher allerdings nicht
    erzielt werden. Die Entscheidung hierüber sollte die Patientin nach Information und
    Beratung durch ihre Ärztin/ihren Arzt treffen.

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