Liegt es an mir oder an mir?

4 Monate ist der letzte Blogbeitrag schon her? FRECHHEIT!
Aber das liegt wohl an mir. 🙂

Eigentlich finde ich es recht positiv, wenn man als (ehemalige) Brustkrebspatientin nicht mehr jede Woche etwas Neues zu berichten hat. Ab und an ein Lebenszeichen sollte ausreichen, damit die Umwelt beruhigt ist und weiß, dass alles in Ordnung ist. 😉

Aber ich hatte in den letzten Monaten tatsächlich einfach keine Zeit für einen Blogbeitrag und das ist doch Grund genug, sich nun die Zeit zu nehmen um eben diesen zu schreiben. Denn ich kann nicht behaupten, dass in den letzten Monaten nichts passiert ist.

Bei manchen Dingen ist es ja völlig klar, wer für eine bestimmte Situation verantwortlich ist… bei manchen Dingen aber auch nicht…zumindest ist es komischerweise immer allen anderen klar, nur einem selbst nicht. Wovon ich rede? Na, von mir! 😉

Aber fangen wir von vorn an. Eigentlich müsste ich ab der Wiedereingliederung Mitte 2014 anfangen, aber das ist dann doch zu weit von vorn. Mir geht es nur kurz darum zu erwähnen (was ich bestimmt in diversen vorherigen Blogbeiträgen auch getan habe), dass mit der Chemo ein gewisser Konzentrations- und Erinnerungsmangel bei mir einhergegangen ist. Das hat kaum einer mitbekommen, weil ich doch noch immer unfassbar gut bin (Eigenlob stinkt, ich weiß 😉 ), aber man selbst merkt Veränderungen doch und ich habe mich schon diverse Male darüber geärgert, dass ich plötzlich Dinge vergessen habe, die ich mir sonst mit Leichtigkeit gemerkt habe. Vielleicht ist es auch normal mit jedem Jahr, welches man älter wird, aber es passt zeitlich halt zum Behandlungsverlauf.

Auf jeden Fall habe ich in den letzten zwei Jahren doch vermehrt festgestellt, dass ich einfach nicht mehr die Alte bin. Und das hat sich ganz deutlich Anfang des Jahres gezeigt.
Kurz vor meiner Reha im März diesen Jahres wollte ich mich eigentlich nur kurz bei meinem Vorgesetzten über irgendetwas beschweren (das allein ist schon nicht meine Art) und zu meinem Erstaunen (eher Entsetzen) liefen mir direkt die Tränen. Ihr kennt mich. Ich heule nicht!! Und ich konnte es einfach nicht zurückhalten. Was habe ich also als erstes gedacht? Mein Gott, was machen die Hormone mit mir….wieso bin ich so nah am Wasser gebaut…was ist denn das für eine Phase…irgendwas stimmt nicht mit mir…

Dann kam zum Glück die Reha und ich hatte 4 Wochen Zeit, um mich zu sammeln und viele Gespräche zu führen. Danach war ich wieder gestärkt und fühlte mich deutlich besser. Auch in der Firma war soweit wieder alles ok…dachte ich.
War es aber nicht. Spätestens als ich abends nach Feierabend im Auto saß und unter Tränen nach Hause gefahren bin, war mir klar, dass mit mir ganz gewaltig etwas nicht stimmt. Wie konnte ich nur so weich werden? Was hat die Chemo mit mir gemacht?…Ja die Chemo ist im Zweifel an allem Schuld, ist ja klar…
Kurz vor unserem Urlaub war ich dann wieder an dem Punkt, an dem ich Anfang des Jahres auch schon gewesen bin und habe mich krankschreiben lassen. Im Anschluss sind wir zwei Wochen im Urlaub gewesen (HERRLICH) und ich dachte, dass ich mich nun wirklich wieder im Griff habe. Denn ich habe es doch in der Hand, ich muss an mir arbeiten, ich muss wieder stärker werden!

Falsch gedacht. Das einzige, was ich tun muss, ist: Die Dinge ändern, die mich so werden lassen! Was habe ich also getan? Richtig…meinen Job gekündigt. Man kann sich oft einreden, dass man aktuell vielleicht etwas dünnhäutiger ist, oder dass man gerade einen schlechten Tag hat, oder dass bestimmt die Chemo oder ein anderes Medikament gerade dafür verantwortlich ist, aber wenn wir ehrlich sind, sind das doch nur Ausreden. Manchmal oder sogar öfter ist man nicht selbst Schuld, zumindest nicht an bestimmten Situationen. Aber man ist selbst Schuld, wenn man sie nicht ändert!

Leichter gesagt als getan, dass weiß ich. Ist ja schließlich unbequem, sich an etwas neues zu gewöhnen und neue Wege zu gehen. Wir sind nun mal Gewohnheitstiere, was bestimmt seine Vorteile hat. Aber manchmal eben auch nicht.

Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber ich habe nur ein Leben. Und ich habe mir vorgenommen, nur noch das zu machen, was mir gut tut (mal abgesehen von den ungeliebten, nervtötenden Dingen im Alltag, die sich nicht vermeiden lassen 😉 ).

Übrigens war ich gestern wieder zur Mammographie (auch einer der nervtötenden Dinge). Alles im grünen Bereich!
Und ich hatte gestern meine erste Thaichi-Stunde. Ist mal was anderes als Yoga und autogenes Training. Ich bin gespannt und momentan einigermaßen entspannt.

Beim Thaichi habe ich ein Zitat an der Pinnwand entdeckt, was ich Euch noch kurz mitgeben will:

Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.
Gustav Heinemann

In diesem Sinne. Ein entspanntes Wochenende!!

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5 Antworten zu Liegt es an mir oder an mir?

  1. Sunnys Haus schreibt:

    Liebe Melli,
    Glückwunsch zu der Entscheidung ! Beim lesen kamen gerade Erinnerungen hoch. Ich bin etwas älter als Du – Jahrgang 1971 – und ich hatte 2009 Brustkrebs. Danach habe ich gerade arbeitsmäßig ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich war einfach nicht mehr so belastbar wie früher -der Job war aber noch der Gleiche. Lange Dienste, Nachtarbeit, viel Multitasking. Wenn man sich schlechter konzentrieren kann als früher wird das übermäßig anstrengend.

    Auch ich saß mal tränenüberströmt beim Chef (geht GAR nicht…) oder im Auto und war irgendwann komplett am Ende. So wie noch nie. Meine Konsequenz war ähnlich wie Deine. Ich habe Ende 2013 den Job gekündigt, die Wohnung auch gleich und habe mein Haus auf dem Land gekauft, wo ich nun neben meinem Freund und seiner Katze wohne und glücklich bin. Job ist jetzt ohne Nachtarbeit und mit normaler Arbeitszeit – und ich bin immernoch gesund. Im November ist wieder Nachsorge – örks. Naja.

    Jedenfalls wünsche ich Dir alles erdenklich Gute für die Zukunft. Der Schritt war sicher ein großer in die richtige Richtung.

    Liebe Grüße
    Birgit

  2. Simone schreibt:

    Liebe Melli,

    ich lese schon eine ganze Weile mit. Du warst mir in vielen Dingen wie Diagnose und Therapie ein paar Monate voraus. Und seit einiger Zeit überlege ich, wie es mit mir und meinem Job weiter geht. Und dann lese ich deinen Beitrag. Uff!
    Aber ich bin auch neugierig. Hast du einen neuen Job, wie geht es dir damit?
    Liebe Grüße

    Sim

    • tomatenauge schreibt:

      Hallo Simone.

      Ja, ich habe einen neuen Job. Ich bleibe in derselben Branche, fange aber mit weniger Verantwortung an. Und dann liegt es an mir, nicht wieder bei allem und jedem „hier“ zu schreien. Es war nicht einfach (bin jetzt 10 Jahre da) aber definitiv die richtige Entscheidung. Höre auf Deinen Bauch!

      LG
      Melli

  3. Ulrike schreibt:

    Hey Melli, Mut zur Courage hast du ja!!! Gratulation.
    Was ist mit unserem Wochenende, vielleicht doch der Weihnachtsmarkt?
    Ich kann mich erinnern, das ich dir gesagt habe das nichts ist wie es war, du hast den richtigen Schritt gewagt.Ich habe auch viel geändert, bin aber immer noch nah am Wasser gebaut, das wird wohl auch nicht mehr aufhören. Übrigens werde ich Großmutter, da kamen mir auch schon wieder die Tränen. lieben Gruß und Thai Chi ist toll…Ulrike

  4. Ingrid schreibt:

    Hallöchen, was ist mit Dir? Geht es Dir gut? Wir hören gar nichts mehr von Dir.
    Meldi dich doch bitte.

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