Vom Regen in die Traufe

Ok, krass… ich habe wirklich sehr lange nichts mehr geschrieben.
Aber ich bin gerade dabei – bzw. ich versuche – einige Dinge wieder auf Spur zu bringen und dazu gehört auch der „Abschluss“ des Blogs. Immer wieder habe ich daran gedacht, einen letzten Beitrag zu schreiben um das Kapitel Brustkrebs zu den Akten zu legen. Das wollte ich eigentlich zu meinem 5jährigen machen… ist nun auch schon wieder ein Jahr her, aber hey: Ich gelte offiziell als geheilt!
Zum feierlichen Anlass habe ich letztes Jahr eine ThinkPink-Halloween-Party geschmissen. Jeder musste verkleidet kommen und es musste mindestens ein Accessoire in Pink dabei sein. Von einer pinkfarbenen Latzhose bis hin zu einem pinkfarbenen Glitzer-Anzug war alles dabei…beides genannte wurde von Männern getragen 😊💕.
Mein Outfit:
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Es war ne coole Party und nun bin ich gesund…hurra!…

Ja, der Krebs ist nach wie vor weg, ich habe alles gut überstanden und doch habe ich die nächste Herausforderung.

Wem das Happy-Krebs-Ende reicht, für den ist der Blog hiermit beendet und ich danke für das treue Lesen, die vielen Kommentare, das Mitgefühl und den Zusammenhalt. Ihr habt mir regelmäßig geschrieben, gefragt wie es mir geht, wann der nächste Beitrag kommt und mir immer alles Gute mit auf den Weg gegeben. Das hat in der Behandlungszeit geholfen und damit konnte ich auch anderen helfen. Mein Blog wiederum hat auch anderen Mitstreitern geholfen und das war auch für mich ein wirklich gutes Gefühl. Also nochmal: Vielen Dank an jeden einzelnen!



Und ab hier wird die Powerfrau zum Jammerlappen 😉

Die treuen Leser unter Euch wissen ja, dass ich Antihormone nehmen musste und diese eigentlich nur pausieren wollte.

Nachdem ich neben den Muskelschmerzen und Stimmungsschwankungen auch depressive Phasen feststellen musste, habe ich mich für das Absetzen der Tabletten entschieden. Ganz bewusst. Es war einfach zu krass. Plötzlich hatte ich teilweise echt fiese Gedanken die mich erschreckt haben und meine Zündschnur wurde immer kürzer. Ich habe zu der Zeit von einigen Mädels ganz ähnliches gehört, die auch deswegen mit der Einnahme von Tamoxifen aufgehört haben.

Mein Onkologe fand es gar nicht witzig und hat es persönlich genommen.
Bei einem der letzten Follow-Up-Gespräche hat er in meine Wunde gestochen:
„Na, Sie haben aber auch mal weniger gewogen…“ Wie gesagt, mein wunder Punkt… ich mache Sport, ich achte aufs Essen, es wird einfach nicht weniger.
Ich fühlte/fühle mich fett, mein BMI zeigt Übergewicht und ich habe angefangen zu heulen. Habe ihm gesagt, dass es mehr als unfair von ihm ist, meine Studienschwester hat mir beigepflichtet und gesagt, dass ich eine der sportlichsten Patientinnen wäre… es hat ihn so gar nicht gekratzt…was für ein Arsch.

Ich habe die Tabletten also abgesetzt, in der Hoffnung, dass sich meine Laune wieder bessert und die depressive Phase verschwindet.
Es ist auch deutlich weniger geworden, aber leider hat es sich nicht aufgelöst.

Verdrängung… nicht wahrhaben wollen… Ablenkung… bis der Körper sich (mal wieder?) wehrt.

Antriebslosigkeit… Funktionieren… ohne Grund heulen… gereizt sein wegen Nichtigkeiten…

Seit März diesen Jahres nehme ich Anti-Depressiva, war in einer ambulanten Psychotherapie und sitze aktuell in einer psychosomatischen Klinik zur Reha.
Diagnose: mittelschwere Depressionen
Grund: kein Plan

Ich fühle mich machtlos… dumm… und.. ach ja: fett.
Ich kann nicht greifen, was genau mein Problem ist, was mich hierher gebracht hat. Brustkrebs ist es meiner Meinung nach nicht.
Ich habe keine großartigen Probleme in der Firma, ich habe eine funktionierende Beziehung, ich bin eigentlich gesund.
Aber anscheinend will irgendetwas ans Tageslicht. Mit irgendwelchen Dingen werde ich anscheinend nicht fertig… die Powerfrau… die keine Hilfe braucht… die alles schafft… pfff

Aber es sind anscheinend Dinge, die man erstmal hingenommen hat, die man als nicht so schlimm abgestempelt hat. Einiges ist mir während des Laufens durch den Kopf gegangen, einiges in ruhigen Momenten auf dem Zimmer, wenn man sich nicht grad wieder mit anderen Dingen ablenkt.

Eins meiner Probleme – es müssen mehrere sein, denn ich sehe keins, was eine Depression rechtfertigt – wird mit Sicherheit der Umgang mit mir bzw. meinem Gewicht sein. Ich fühle mich nicht wohl in meinem Körper, finde mich zu dick (habe Zeit meines Lebens immer schon mit Übergewicht zu tun) und schaffe es seit 6 Jahren nicht mehr, an meinem fitten Zustand von vor der Diagnose anzuknüpfen. Hinzu kommen dann so tolle Kommentare wie vom Onkologen, oder auch nette Sätze von Verwandten wie: „In meinen Augen bist du fett“… dazu das Gewicht auf der Waage und der Blick auf das Geschwabbel im Spiegel…
Das trifft mich… tief… da geht was kaputt, was man mit netten Worten nicht wieder hinbekommt.

Nun ja. Nun sitze ich also hier auf der Suche in meinem Kopf nach Problemen, die ich bearbeiten muss, damit ich wieder ich selbst bin.
Ob ich den Blog weiterführe weiß ich nicht. Das Thema Stress steht wahrscheinlich auch auf der ToDo-Liste und ich will grad gar nichts planen und mich auf nichts festlegen.

Vom Brustkrebs zur Depression… es reicht langsam mit beschissenen Krankheiten.

Vielleicht bis bald.

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3 Antworten zu Vom Regen in die Traufe

  1. ANKE Severin schreibt:

    Moin Mimimose, 😉
    Ich sitze hier beim Teechen und stelle mal wieder alles in Frage, wie schon so oft in den letzten 3 Jahren.
    Habe aktuell meine “ Aufforderung“ von der Rentenkasse bekommen, entweder einen Antrag auf Weiterzahlung zu stellen oder endlich wieder arbeiten zu gehen.
    Ich kann nicht..nicht das Eine und auch nicht das Andere. Ich habe es versucht, 2 Jahre Minijob Putzstelle, wo mich keinet sieht, wenn ich mal wieder sitze, weil ich im Eimer bin…
    Ausser das auch ich viel zu Fett bin, sehe ich doch ganz gut aus und sollte mich doch bitte nicht so anstellen, alle anderen kriegen das auch hin.
    Ach, ich bin also wirklich die Einzige!? Kein Wunder also, das ich Antidepressiva nehme, von denen ich glaube, dass das Placebos sind.
    Schreib weiter…es geht mir damit nicht besser, beruhigt mich aber etwas.
    Anke

  2. Andrea Voß schreibt:

    Ich freue mich gerade riesig mal wieder etwas von Dir zu hören. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass sich Deine Beschwerden bald wieder zum guten wenden. Mir selbst geht es auch gut. Ich habe im April 2019 fünf Jahre überlebt. Meine Knochenmetas werden weiterhin mit einer Zometainfusion in Schach gehalten. Nachdem ich 5 Jahre die Tamoxifen genommen habe, wurde bei mir ein Pleuraerguß festgestellt. Daraufhin wurde die Tamoxifen abgesetzt. Nun nehme ich seit einem 1/2 Jahr Letrozol mit mehr oder weniger einigen Nebenwirkungen. Meine Haare werden wieder dünner und manchmal leide ich unter Stimmungsschwankungen. Aber größtenteils geht es mir gut. Ich würde mich freuen, wenn ich jetzt wieder öfter etwas von Dir hören würde. Mein Blog findest Du und die anderen hier unter: http://www.andrea-v.de
    Ganz liebe Grüße Andrea Voß

  3. Ingrid schreibt:

    Moin, Kopf hoch! Du warst und bist tapfer. Welcher Blödian hat eigentlich das Recht dich wegen leichtem Übergewicht herunterzuputzen: niemand. Ich habe in 20. Jahren 4 x Krebserkrankungen durchstehen müssen: das ganze Programm: linke Niere weg, Gebärmutter etc. weg, Tamoxifen habe ich nie genommen, habe mich geweigert, auch mein Onkologe war deswegen eingeschnappt. Na und: ich bin die Patientin und ich bestimme: nix anderes. Der kann mich mal.
    Brust.Op erhaltend, 15 Lymphknoten futsch und das neueste seit dem 20.09.2019 eine Knochenmarktranplantation mit vorheriger Chemo.: ich bin Gevatter Tod mal wieder von der Schippe gesprungen und habe ihm die Türe vor der Nase zugeschlagen…
    Bin seit drei Tagen wieder in meiner Wohnung und versuche mit den Nebenwirkungen
    der letzten Chemo zurechtzukommen.. Muss noch wochenlang hammerharte Medikamente einnehmen und mindestens 1 x pro Woche in die KMT-ambulanz. Aber: ich lebe! und irgendwann ist dieser Mist auch vorbei. Meine Haare sind nur noch niedliche Stopeln. Ich muss mich noch ein wenig schonen, aber ich blicke positiv in die Zukunft. Das wird wieder.

    Dir alles Gute und viel Kraft.
    Liebe Grüsse Ingrid

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